Augustiner-Chorherren-Stift „Zum Heiligen Geist“ in Salzwedel

Einleitung

Die Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherren-Stifts „Zum Heiligen Geist“ in Salzwedel. Das Stift existiert nicht mehr. Einziger heute noch erhaltener Teil des Stifts ist die Heilig-Geist-Kirche (entweiht seit 1971).

Geschichte

  • 1233 Salzwedel erhält das Stadtrecht. (Altstadt)
  • 1247 Hospital zum Heiligen Geist
    • Gründung eines Hospitals „Zum Heiligen Geist“ im Vorort Perwer/Perver von Salzwedel. 
    • Der in Backsteingotik errichtete Zentralbau/Rundbau hat einen Durchmesser von zirka 20m.
    • Gründer: Die brandenburgischen Markgrafen Johann I. und Otto III. auf Bitten ihrer Mutter Mechthild sowie ihrer Ehefrauen Sophia von Dänemark und Beatrix von Böhmen.
    • Das Hospital diente der Versorgung von Kranken und Armen. Es bestand wahrscheinlich bis ins 15. Jahrhundert
  • 1247 Salzwedel: Gründung der Neustadt
  • 1260 Papst Alexander IV. bestätigte das Hospital per Bulle und besetzte es mit Augustiner-Chorherren. Das Stift unterstand dem Bistum Verden.
  • 1300 In vielen Urkunden wird vom „Kloster zum Heiligen Geiste“ gesprochen. Die Worte Kloster und Stift wurden vermutlich oft synonym verwendet, obwohl es markante Unterschiede gibt.
  • 1384 Die Witwe Elisabeth Stöterogge aus Lüneburg kaufte im Stiftsbereich drei verfallene Häuser und lässt ein Haus für sechs Jungfrauen erbauen, das der Heiligen Anna geweiht wurde.
  • ca. 1450 Anbau der heutigen Heilig-Geist-Kirche
    • Südöstlich wird ein einschiffiger, dreijochiger Chor in Backsteingotik angefügt – der heute einzige erhaltene Bauteil, die Heilig-Geist-Kirche. 
    • Der Chor ist überdeckt mit einem Kreuzrippengewölbe. Die Kreuzförmig angeordneten Rippen leiten das Gewicht der Decke gezielt auf die Wände oder Pfeiler ab. Die Rippen enden nicht direkt in der Wand, sondern ruhen auf Konsolen (vorspringenden Tragelementen). In der Heilig-Geist-Kirche handelt es sich um Kopfkonsolen, die als menschliche Köpfe von Männern und Frauen ausgeformt sind. Die Kopfkonsolen sind aus Stuck (Gipsmörtel) geformt. (Stucktechnik)
  • 1470 Reformierung des Stifts/Klosters wegen „Sittenverderbnis“ durch Johannes Busch.
  • 1488 Das Frauenkloster wird zur Nikolaikirche verlegt. Die Nikolaikirche stand auf dem Nicolaiplatz und wurde im 18.Jh abgerissen.
  • 1540 Nach der Reformation wurde das Konvent aufgelöst und die Stiftsgüter säkularisiert. (Umwandlung vom geistlichen zum weltlichen Besitz). Aufhebung des Stifts durch Verpfändung der Güter an Franz von Bartensleben.
  • 1692 Einsturz des Rundbaus
    • Kreuzgewölbe des Zentralbaus ( „Rondel“ ) stürzt ein.
    • Ursache war möglicherweise die zu Hohe Last der auf dem Ursprungsbau aufgebauten Erhöhung verbunden mit dem schlechten Baugrund.
  • 1713 Salzwedel: Vereinigung von Altstadt und Neustadt.
  • 1768 Rückbau von Turmhelm und Obermauern des ruinösen Zentralbaus.
  • 1792 Abbruch des Rundbaus
    • Die Zentralbau/Rundbau Ruine wird abgebrochen.
    • Reste der Umfassungsmauern wurden in die Strebepfeiler des Chors integriert (ein Lanzettfenster aus dem 13. Jahrhundert ist noch vermauert erkennbar).
    • Mit Abbruchsteinen wird der Chor durch einen geraden Giebel geschlossen.
    • Das Chordach zum Giebel wird abgewalmt.
    • Der größte Teil der Fenster wird zugemauert.
    • Die große 190 kg Glocke wird an Bombeck verkauft.
  • 1811 Die Amts- Gemeinde wurde in die St. Georg- Gemeinde eingegliedert.
  • 1878 Umbauarbeiten
    • Die Nordwestseite erhält eine fassadenartige Gestaltung mit Glockenträger zur Aufhängung zweier Glocken.
    • Zum Schutz des Eingangs wurde der Vorbau errichtet.
    • Die gotischen Fenster wurden wieder geöffnet, Fensterbänke wurden höher gelegt.
    • Des Walmdach wird zurückgebaut und der Giebel mit einem Aufbau zur Aufhängung zweier Glocken erhöht.
    • Einbau einer Orgelempore mit Orgel.
    • Der Innenraum bekommt ein neues Gestühl.
    • Die Kanzel wird an die Nord-Ost-Seite verrückt (heutiger Standort).
  • 1945 Es finden Gottesdienste im Wechsel mit der St. Georgs- Kirche statt. Gottesdienste zu den Kirchlichen Feiertagen fanden regelmäßig hier statt, wegen Orgel und guter Akustik.
  • 1971 Kirchliche Nutzung wird aufgegeben.
    • Das Gestühl wurde vernichtet.
    • Die Stadt nutzt den Raum als Lager.
    • Die gut erhaltene Orgel wird ausgebaut und in der Lorenzkirche aufgebaut.
    • Die Ausstattung der Kirche wurde größtenteils auf andere Kirchen in Salzwedel (z. B. St. Georg, St. Lorenz) und das Danneil-Museum verteilt. 
  • 1988 Das Dach wird neu eingedeckt.
  • 2004 Gründung Hansische Gesellschaft zu Salzwedel e.V.
    • Der Verein engagiert sich um den Erhalt und die Restaurierung und Instandsetzung der Kirche.
    • Die Kirche ist als Kulturdenkmal geschützt und wird regelmäßig für Veranstaltungen (z. B. Tag des offenen Denkmals) geöffnet.
  • 2012 Das Gebäude erhält ein neues Geläut.